Donnerstag, 7. Juni 2012
David Brooks, Das soziale Tier - Bestseller in den USA
Freunde sind wichtiger als Geld
Neues aus der Hirnforschung und der Psychologie von David Brooks
David Brooks ist gebürtiger Kanadier und lebt in
New York. Es ist auch dort aufgewachsen, studierte
Geschichte und wurde Redakteur bei renommierten
Zeitungen wie "The Washington Post" und Korrespondent
des "Wall Street Journal". Seit 2003 arbeitet er für
"The New York Times". Sein Buch "Das soziale Tier"
wurde in den USA ein Bestseller. Brooks erläutert,
wie Menschen ticken. Und er widerlegt mit Studien
gängige Vorurteile. So sind nicht diejenigen mit einem
hohen IQ Genies oder Überflieger, sondern es müssen
andere Faktoren hinzukommen. Faktoren, die die
Persönlichkeit ausmachen wie: eine herausragende
Arbeitsethik, mentale Stärke, das gründliche Nachdenken
über ein Problem sowie verschiedene Blickwinkel zu
betrachten. Das belegte Keith E. Stanovich in einem Buch.
Selbst Nobelpreisträger studierten meist nicht an Elite-
Universitäten. Und ein hoher Intelligenz-Quotient trägt
nicht unbedingt zum Lebenserfolg bei. Genies wie Albert
Einstein benutzte zum Lösen von Problemen nicht die
die Logik, sondern seine Phantasie. Er sah visuelle
Bilder. Um Erfolg zu haben, ist auch die Psyche von
Bedeutung. Eine Studie belegt, dass Prüflinge besser
abschnitten, wenn sie zuvor Geschichten über Spitzenleistungen
hörten. Auch das Unbewusste, das gerne belächelt wird,
ist wichtiger als bislang angenommen. Ratio und Unbewusstes
lassen sich nicht voneinander trennen. Beide Systeme
arbeiten jedoch total unterschiedlich. Das Unbewusste kann
Spitzenleistungen hervorbringen. Es codiert. Während die
Ratio besser dabei ist, bei wenig Wahlmöglichkeiten
Probleme zu lösen, ist es beim Unbewussten genau umgekehrt.
Wer zum Beispiel abgelenkt über eine Aufgabe nachdenkt, der
entscheidet effizienter aus der Intuition heraus. Allerdings
benötigt das Unbewusste dazu ein wenig Zeit. Jedenfalls
schafft es mehr Querverbindungen und kann mehr Faktoren
einbeziehen. Die Intuition sucht nach Schwingungen und nach
Metaphern. Bei der unbewussten Entscheidungsfindung werden
zudem die Emotionen berücksichtigt. Erstaunlich sind die
Entdeckungen, die das Unbewusste macht. Im Gegensatz zum
rationalen Denken, das Schritt für Schritt vorgeht, wagt es
sich nach Ap Dijksterhuis in "düstere und verstaubte Ecken
und Winkel des Geistes" vor. Ideal ist es, wenn der Mensch
weiß, wann er dem Unbewussten vertrauen kann. Wer Autofahren
kann, der muss sich nicht mehr bewusst darauf konzentrieren.
Wer in einem Bereich ein Profi ist, dessen Bewegungen steuert
ds Gehirn automatisch in den betreffenden Arealen. Nur wenn
etwas neu erlernt wird, ist das Gehirn hochaktiv. Ansonsten
nur noch schwach, weil das Wissen in Fleisch und Blut
übergegangen ist. Je älter Menschen werden, desto eher sind
sie emotional zufrieden. John Gabrieli vom MIT stellte fest,
dass das Belohnungszentrum im Gehirn, die Amygdala, beim
Anblick von positiven Fotos aktiv bleibt, jedoch bei negativen
Eindrucken inaktiv ist. Diese Menschen haben unbewusst
gelernt, sich auf Positives zu konzentrieren. Wer meditiert,
tut sich ebenfalls Gutes. Bei Hirn-Scans von Menschen, die
lange Zeit meditierten oder beteten, hatte sich das Gehirn
neu vernetzt. Lohnend für ein langes, glückliches Leben
sind soziale Bindungen und nicht das große Geld. Dean Ornish
belegte, dass einsame Menschen ein drei- bis fünffach
höheres Risiko haben, früher zu sterben als sozial aktive
Personen. Dazu gibt es zahlreiche Studien, die den Zusammenhang
zwischen einem langen Leben und sozialen Bindungen belegen.
Eine glückliche Ehe soll den Wert von 100.000 Dollar Jahresgehalt
haben. "Je tiefer die Beziehungen, desto glücklicher ist der
Mensch", folgert David Brooks. Vielen ist das nicht bewusst,
weil ihnen suggeriert wird, dass Geld das höchste Gut sei.
Eine spannende Reise durch die Welt der Psyche. Absolut
lesenswert.
(c) Corinna S. Heyn
David Brooks,
Das soziale Tier.
Ein neues Menschenbild zeigt,
wie Beziehungen, Gefühle und Intuitionen
unser Leben formen.
Aus dem amerikanischen Englisch von
Thorsten Schmidt.
Deutsche Verlags-Anstalt 2012.
Preis: 24,99 Euro.
www.dva.de
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