Samstag, 2. Juni 2012

Buchkritik: Miguel Almoril, Gegen jede Prognose



Seine Liebe holte sie ins Leben zurück

Wie eine junge Frau im Koma ein gesundes Kind gebar


Alles schien perfekt. Miguel Almoril hatt seiner
Freundin Yuliya 2009 einen Heiratsantrag gemacht,
ein Haus wurde gekauft und dann wurde sie zu allem
Glück auch noch schwanger. Die Geburt des Kindes
sollte am 20. Juni 2010 sein. Die Hochzeit war für
den 19. Dezember 2009 geplant. Doch es kam anders.
Das Schicksal schlug am 16. November 2009 mit einem
Autounfall gnadenlos zu. Yuliya wurde in ein künstliches
Koma versetzt, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen.
Sie hatte einen Hirninfarkt, ein Hirntrauma, einen
Schädelbasisbruch und die Wirbelsäule war aus der
Verankerung gerissen worden. Es bestand Lebensgefahr.
Der Schock bei Miguel Almoril saß tief, auch die Sorge
um Yuliya und das ungeborene Kind waren vorhanden.
Sie benötigte viele Medikamente, die das Risiko von
Fehl- und Missbildungen für das Kind in sich trugen.
Dennoch entschied sich der werdende Vater dazu, beide
Leben zu retten. In allen Einzelheiten schildert er,
wie er an der Seite seiner Lebensgefährtin kämpfte.
Gegen alle Prognosen der Fachärzte wollte er Yuliya
zum Sprechen und Gehen bringen. Im Hirn waren im
Frontalhirn Areale geschädigt worden, die für das
Sozialverhalten zuständig sind. Da die Struktur des
Gehirns im linken Schläfenbereich sehr zerstört war,
sahen die Ärzte keine Chancen dafür, das Yuliya wieder
sprechen oder Arme und Beine würde bewegen können.
Das wollte Miguel Almoril nicht hinnehmen. Hingebungsvoll
pflegte er seinen "Schatz", wie er sie in seinem Buch
nennt. Er rasierte ihre Beine, feilte ihre Fingernägel,
streichelte sie und freute sich über jeden noch so
kleinen Erfolg. Am 6. Februar 2010 umarmte ihn Yuliya
auf einmal spontan. Miquel Almoril war überglücklich.
Er übte manchmal vier Stunden mit seiner Partnerin das
Sprechen wie er es aus der Logopädie kannte. Und an
Ostern 2010 hörte er zum ersten Mal aus ihrem Munde
das Wort "Ja". Das war ein Wunder entgegen jeder
ärztlichen Aussage. Yuliya litt auch an einer Gesichtslähmung.
Woher Miguel Almoril die Kraft fand, alle Rückschläge, die
es gab abzufangen, ist ein Rätsel. Doch sein Optimismus
stärkte Yuliya so sehr, dass sie immer mehr sprechen konnte
und zudem am 28. Mai 2010 die kleine Lena zur Welt brachte.
Per Kaiserschnitt und total gesund. Trotz der Schlaf-, und
Schmerzmittel, der Antibiotika aufgrund der Blasen-, Lungen-
und Pilzinfektionen und der Medikamente gegen Epilepsie.
Leider bekam die frisch gebackene Mutter eine Depression,
die medikamentös behandelt wurde. Miguel Almoril übte mit
Yuliya, ihre Hand zu bewegen. Im September 2010 konnte sie
bereits telefonieren, Memory am PC spielen, der Kleinen das
Fläschchen geben. Nur die Inkontinenz, die zeigte sich als
hartnäckig. Miguel Almoril stritt sich mit der Krankenkasse
um Rollstühle, Rehabilitationsmaßnahmen und ein MOTOmed viva2
mit Armtrainer. Er bewarb sich bei einem Gewinnspiel von
BILD.de und des Kaufhauses Heine um eine Kinderbetreuung und
gewann. Es folgten Auftritte bei Markus Lanz, bei RTL-Explosiv.
Trotz aller erstaunlicher Fortschritte wird Yuliya wohl nicht
mehr in ihrem alten Beruf als Bankangestellte arbeiten können.
Aber Miguel Almoril möchte gerne noch ein weiteres Kind und
glaubt an weitere Fortschritte bei seiner Frau. Er bezahlte
sogar eine ambulante Therapie in der Reha in Bad Camberg
aus eigener Tasche. Seine Aufzeichnungen sind ein großes Stück
gelebte Liebe, die offensichtlich alle Hürden überwindet. Ein
bewegendes Buch.
(c) Corinna S. Heyn


Miguel Almoril,
Gegen jede Prognose.
Meine Frau brachte nach einem schweren Unfall
im Koma ein gesundes Kind zur Welt und kehrte
zurück ins Leben.
mvg Verlag 2012.
2. Auflage
www.mvg-verlag.de

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